Die Chinesen machen ungefähr 30 % der Bevölkerung Malaysias aus. Angesiedelt haben sich die meisten während der Britischen Herrschaft und leben nun schon seit Generationen hier. Der Jahreswechsel hat sich nach ihrem Kalender in diesem Jahr in der Nacht des 25 Januar vollzogen und ich war in dieser Zeit für ein paar Tage in Ipoh bei einer chinesischen Familie zu Besuch.
Aus dem Jahr der Maus/Ratte sind wir in das der Kuh/des Ochsen gewechselt. Bestimmt wurde die Reihenfolge der chinesischen Jahre vor langer Zeit, als ein Herrscher die Tiere zu einem Wettrennen aufrief auf das die besten Tiere am Himmel in Form von Sternzeichen verewigt würden. Da mag es wundern, dass das Jahr der Maus vor dem der Kuh, ja sogar ganz als erstes kommt. Hintergrund ist eine List der Maus die sich von der gutmütigen Kuh über ein Gewässer tragen ließ und danach - unbemerkt von der Kuh - auf dieser bis zum Ziel ritt, um im letzten Augenblick von deren Kopf über die Ziellinie zu springen und somit das Rennen zu gewinnen.

Gefeiert wird ein bisschen wie Weihnachten bei uns. Statt eines Weihnachtsbaumes gibt es zwei kleine Schreine: einen im Haus für den Gott der Erde und einen mit Weihrauch vor der Tür für den Gott des Himmels. Darauf werden den beiden wichtigsten Göttern Obst und Süßigkeiten dargeboten. In meiner Gastfamilie und vielen anderen ist die religiöse Geste jedoch mittlerweile reine Folklore (siehe Weihnachten).

Ansonsten wird ausführlich getafelt und Verwandte und Bekannte werden besucht, wobei alle Kinder bzw. alle Unverheirateten (also auch ich) von den Erwachsenen Geschenke bekommen. Das sind immer kleine Umschläge, deren Inhalt mir noch unbekannt ist, da die Tradition will, dass man sie erst nach den Feiertagen öffnet. Da aber die Umschläge alle das Logo irgendeiner Bank tragen wird wohl Geld drin sein. Wohlstand steht auf dem Wunschzettel der meisten Chinesen ganz oben.

An chinesischen Tempeln hätte Jesus sicher keine Freude gehabt - sie sind zum Teil die reinsten Marktplätze. Schon bei der Ankunft wollen eine wild pfeifende Wächter auf Bezahlparkplätze locken, überall auf dem Gelände der Tempel werden irgendwelche Glücksbringer feilgeboten und auch ein Eiscafé gibt es. Zum Jahrmarkt wird es dann, als es für die Kinder hölzerne Reittiere gibt und vor einigen Götterstatuen Näpfe stehen in die man aus einiger Entfernung Münzen schnippen soll um sich etwas zu wünschen. So sehr mir die angsteinflößende Stille europäischer Gotteshäuser auch abgeht, kann ich doch nicht anders als einen solchen Rummel an einem heiligen Ort irgendwie anstößig zu finden.


Für den ersten Tag des neuen Jahres gibt es ein paar Regeln: man darf nicht saubermachen, keine Messer benutzen und nicht töten (deshalb gibt es vegetarisches Essen mit sehr leckerem Tofu). Sonstige mir aufgefallene kulturelle Unterschiede: soziale Gatherings sind auch am Abend eher kurz und ziehen sich nicht bis spät in die Nachte, abgenagte Knochen und Gräten werden einfach auf den Tisch gelegt, Höflichkeit beim mitessenanfangen und vomTischaufstehen wird nicht erwartet.




Gong Xi Fa Cai!
PS: An dieser Stelle noch einen herzlichen und nachträglichen Glückwunsch an Uli: hab' Dich natürlich nicht vergessen, sondern nur kein Internet gehabt. Alles Gute.
http://neon-aristocracy.blogspot.com/
Aus dem Jahr der Maus/Ratte sind wir in das der Kuh/des Ochsen gewechselt. Bestimmt wurde die Reihenfolge der chinesischen Jahre vor langer Zeit, als ein Herrscher die Tiere zu einem Wettrennen aufrief auf das die besten Tiere am Himmel in Form von Sternzeichen verewigt würden. Da mag es wundern, dass das Jahr der Maus vor dem der Kuh, ja sogar ganz als erstes kommt. Hintergrund ist eine List der Maus die sich von der gutmütigen Kuh über ein Gewässer tragen ließ und danach - unbemerkt von der Kuh - auf dieser bis zum Ziel ritt, um im letzten Augenblick von deren Kopf über die Ziellinie zu springen und somit das Rennen zu gewinnen.Gefeiert wird ein bisschen wie Weihnachten bei uns. Statt eines Weihnachtsbaumes gibt es zwei kleine Schreine: einen im Haus für den Gott der Erde und einen mit Weihrauch vor der Tür für den Gott des Himmels. Darauf werden den beiden wichtigsten Göttern Obst und Süßigkeiten dargeboten. In meiner Gastfamilie und vielen anderen ist die religiöse Geste jedoch mittlerweile reine Folklore (siehe Weihnachten).
Ansonsten wird ausführlich getafelt und Verwandte und Bekannte werden besucht, wobei alle Kinder bzw. alle Unverheirateten (also auch ich) von den Erwachsenen Geschenke bekommen. Das sind immer kleine Umschläge, deren Inhalt mir noch unbekannt ist, da die Tradition will, dass man sie erst nach den Feiertagen öffnet. Da aber die Umschläge alle das Logo irgendeiner Bank tragen wird wohl Geld drin sein. Wohlstand steht auf dem Wunschzettel der meisten Chinesen ganz oben.
An chinesischen Tempeln hätte Jesus sicher keine Freude gehabt - sie sind zum Teil die reinsten Marktplätze. Schon bei der Ankunft wollen eine wild pfeifende Wächter auf Bezahlparkplätze locken, überall auf dem Gelände der Tempel werden irgendwelche Glücksbringer feilgeboten und auch ein Eiscafé gibt es. Zum Jahrmarkt wird es dann, als es für die Kinder hölzerne Reittiere gibt und vor einigen Götterstatuen Näpfe stehen in die man aus einiger Entfernung Münzen schnippen soll um sich etwas zu wünschen. So sehr mir die angsteinflößende Stille europäischer Gotteshäuser auch abgeht, kann ich doch nicht anders als einen solchen Rummel an einem heiligen Ort irgendwie anstößig zu finden.
Für den ersten Tag des neuen Jahres gibt es ein paar Regeln: man darf nicht saubermachen, keine Messer benutzen und nicht töten (deshalb gibt es vegetarisches Essen mit sehr leckerem Tofu). Sonstige mir aufgefallene kulturelle Unterschiede: soziale Gatherings sind auch am Abend eher kurz und ziehen sich nicht bis spät in die Nachte, abgenagte Knochen und Gräten werden einfach auf den Tisch gelegt, Höflichkeit beim mitessenanfangen und vomTischaufstehen wird nicht erwartet.



Gong Xi Fa Cai!
PS: An dieser Stelle noch einen herzlichen und nachträglichen Glückwunsch an Uli: hab' Dich natürlich nicht vergessen, sondern nur kein Internet gehabt. Alles Gute.
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